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Reliquien Das Grabtuch von Turin

Das Turiner Grabtuch ist auf den ersten Blick eine katholische Reliquie, wie es sie zu hunderten gibt. Es ist die bekannteste, ja aber soll sie deshalb echt sein? Auf viele Menschen übt es eine fast magische Faszination aus. Es birgt ein Geheimnis, unerklärlich scheint der Ursprung des Bildes zu sein, das auf dem Tuch zu sehen ist.

Das Tuch ist aus Leinen, 4,36 Meter lang und 1,10 Meter breit. Es hat ein charakteristisches Fischgrätmuster. Die Leinwand selbst ist infolge des hohen Alters zwar vergilbt, aber noch verhältnismäßig gut erhalten. Im Laufe der Geschichte hat sie jedoch sehr gelitten und einige Zerstörungen fallen sofort ins Auge: Ein Brand im Jahr 1532 hätte das Tuch fast zerstört: Deutlich zu sehen sind die beiden dunklen Längsstreifen und die dreieckigen, symmetrischen Löcher, die das gefaltene Tuch ein seinem Silberschrein versengt haben. Auch durch Löschwasser entstandene Flecken sind erkennbar. Noch älter sind mehrere kleine Brandlöcher in Höhe der Oberschenkel. 1997 hat das Tuch einen Brand der Turiner Kathedrale durch den beherzten Einsatz eines Feuerwehrmannes unbeschadet überstanden.
Das Besondere am Turiner Grabtuch ist das Abbild eines männlichen Körpers, der in seiner vollen Länge sowohl von vorne wie auch von hinten zu sehen ist. Nach Schätzungen von Forschern war der Mann etwa 1,77 m groß, knapp 80 kg schwer und etwa 30 bis 35 Jahre alt. Das Bild ist erst ab einem Betrachtungsabstand von etwa zwei Metern deutlich zu erkennen. Wirklich deutlich wird das Bild, wenn man ein fotografisches Negativ davon betrachtet. Auf dem Tuch selbst wirkt es befremdlich, fast gespenstisch erst invers sind deutlich die anatomischen Details zu erkennen.
An Stirn und Hinterkopf, auf der Brust sowie an den Hand und Fußgelenken lassen sich Blutspuren erkennen. Sie unterscheiden sich vom Körperbild in ihrem Charakter und ihrer Beschaffenheit. Die Frage, wie das Blut auf das Leintuch kam, stellt sich nicht in der Weise wie beim negativen, konturlosen Abdruck des ganzen Körpers. Dass es sich um menschliches Blut handelt, ist inzwischen nachgewiesen.

Wie kam das Körperbild auf das Grabtuch? Dies ist eine Frage, die viele Wissenschaftler beschäftigt hat, seit sie mit dem Tuch als Forschungsobjekt umgehen. Der Bischof von Troyes, der es 1389 beim Papst als Fälschung meldete, nannte es ein »mit Schlauheit gemaltes Tuch, auf dem durch geschickte Kunst fas zweifache Bild eines Mannes gemalt wurde«. Allerlei wissenschaftliche Untersuchungen haben allerdings inzwischen ergeben, dass sich keine Farbpigmente auf dem Gewebe befinden. Auch der Negativcharakter lässt an einem Gemälde zweifeln, drittens gibt es keine Konturen, was für das Mittelalter einzigartig gewesen wäre.
Weitere Theorien zur Entstehung sprechen von den Dämpfen der Leichensalbung als Ursache des Abdrucks oder auch einem fotographischen oder Kontaktabdruck. Interessant ist, dass mittels Computeranalyse festgestellt werden konnte, dass der Abdruck zu einem dreidimensionalen Bild rekonstruiert werden kann. Dies spricht natürlich ebenfalls gegen eine künstlerische Schaffung. Dabei hat man übrigens den Abdruck einer Münze entdeckt, die auf die Zeit um 30 n.Chr. hinweisen soll. Diese ist jedoch auf den Abbildungen, die ich gesehen habe, wenn überhaupt, nur mit sehr viel Phantasie zu erkennen.
Natürlich sträuben sich viele Wissenschaftler, die Auferstehung Jesu als Ursache mit dem Abbild in Verbindung zu bringen. Ein übernatürliches Wunder als Erklärung anzunehmen, fällt ihnen schwer. Bestseller-Autor Ian Wilson stellt sich jedoch einen thermonuklearen Strahlenblitz vor, der einen permanenten Schatten in das Tuch brannte, ähnlich den Beobachtungen, die man in Hiroshima nach der Atombombe machen konnte.
Er beschreibt den Vorgang am Ostermorgen rein hypothetisch, wie er betont so:
»In der Dunkelheit des Grabes in Jerusalem lag der tote Leib Jesu, ungewaschen, mit Blut bedeckt, auf einer Steinplatte. Plötzlich bricht eine geheimnisvolle Kraft aus ihm hervor. In diesem Moment entmaterialisiert sich das Blut, vielleicht durch den Strahlenblitz aufgelöst, während sein Bild und das des Leibes sich unauslöschlich in das Grabtuch einbrennen, der Nachwelt buchstäblich eine Momentaufnahme von der Auferstehung hinterlassend«
Es ist leicht zu erkennen, dass der dargestellte Mann keinen natürlichen Tod gestorben sein kann. Die vielen blutenden Wunden sprechen eine deutliche Sprache über die grausame Misshandlung, die der Tote erleiden musste.
Zu sehen sind eine Vielzahl kleinerer Wunden, die eine Größe von vier Zentimetern haben und deutlich auf eine Geißelung schließen lassen. Offenbar waren die Lederriemen des Marterwerkzeugs mit Metallkugeln besetzt, um den Schmerz zu vergrößern. Die Hände liegen überkreuzt, daher ist nur an der Handwurzel der oben liegenden Hand eine deutliche Wunde zu sehen. Auch an den Füßen ist eine Wunde zu erkennen. Diese beiden Wunden lassen die Kreuzigung des Toten (wer immer er dann auch war) als gesichert erscheinen.
Untypisch für ein Kreuzigungsopfer, jedoch in den Evangelien für die Hinrichtung Jesu eindeutig bezeugt, ist die Wunde an der Seite, die auf eine blattförmige Lanzenspitze, wie sie bei den Römern üblich war, schließen lässt.
Auch die Wunden am Kopf sind einzigartig und legen die Vermutung nahe, dass dem Opfer eine Dornenhaube (nicht -krone) aufgesetzt worden war. Weitere Verletzungen im Gesicht belegen Schläge und Misshandlungen.
Die Wundspuren bestehen wohl eindeutig aus Blut. Die Seitenwunde, die sich zwischen der sechsten und siebten Rippe befindet, lässt vermuten, dass nicht nur Blut alleine aus der Wunde getreten ist es sind auch einige klarere Stellen zu erkennen. Der Chirurg Dr. Sava hat anscheinend bemerkt, dass sich bei schwerer körperlicher Misshandlung »seröse« Flüssigkeit in Körperhohlräumen ansammeln können. Interessant ist hier natürlich, dass in der Bibel steht: »Einer der Soldaten stieß mit dem Speer in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus« (Johannes 19, 34).
Forscher konnten bestätigen, dass es sich um echtes Menschenblut handelt. Hämoglobinkristalle gealterten Blutes konnten mit Hilfe chmischer Tests nachgewiesen werden. Inzwischen ist es wohl sogar gelungen, die Blutgruppe zu bestimmen, die der Mann auf dem Tuch hatte: AB!
Die Geschichte der (auch noch im folgenden beschriebenen) Grabtücher ist anfangs nur legendenhaft überliefert und es ist schwierig, sie genau in Zusammenhang zu bringen. Jedenfalls wurden sie scheinbar vom Jünger Thebbedäus nach Edessa gebracht, zu König Abgar, mit dem Jesus selbst Briefkontakt gehabt haben soll. Edessa ist in der heutigen Türkei zu finden, auf seinen Ruinen wurde die Stadt Urfa erbaut. Das Grabtuch von Turin ist erst Mitte des 14. Jahrhunderts eindeutig bezeugt, seit dem 14. September 1578 wird es in Turin aufbewahrt.
Echtheit: Im Jahr 1988 wurden kleine Teile des Grabtuches mit der Radiokarbon-Analyse (C-14) untersucht. Dabei datierten die Wissenschaftler das Objekt auf die Zeit von 1260 bis 1390. Die Reliquie schien als Fälschung entlarvt, doch folgende Faktoren lassen das Ergebnis der Untersuchung fragwürdig erscheinen:
Eine festgestellte Schmutzschicht.
Die Stelle, die untersucht wurde, diente früher scheinbar als »Handgriff« und wurde dadurch eventuell verunreinigt.
Möglicher Betrug durch vertauschte Objekte.
Ein belgischer Forscher stellte bei dem fischgrätenförmig gemusterten Leinen die sogenannte »Körper-Bindung« fest. Vergleichbare Stoffe sind aus dem syrischen Raum aus der Zeit Christi bekannt, nicht jedoch aus dem mittelalterlichen Europa. Der Züricher Kriminologe Max Frei fand Pflanzenpollen auf dem Tuch, die in Israel um die Zeitenwende existierten. Auch NASA-Spezialisten datieren gefundene Mikroorganismen auf ein alter von 2000 Jahren.
Somit gibt es viele Indizien, die dafür sprechen, dass es sich um das echte Grabtuch Christi handelt. Doch aufgrund der rätselhaften Entstehung des Körperbildes und mangels weiterer wissenschaftlicher Untersuchung, bleibt das Turiner Tuch unter den Forschern umstritten.
Die Koordinaten von Turin: 45.0732N, 7.6865E
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